» Interviewfragen an Dirk Krause –
Steinbeisschule Tuttlingen – Gewerbliche Schulen «

Das MINT-Schulprojekt am Rande des Weltalls ist in seinem Umfang und Inhalt individuell auf die Bedürfnisse und Altersklassen jeder Schulform skalierbar. Die Rubrik „Lehrer im Interview“ berichtet aus erster Hand von Lehrkräften, die ihr Stratosphärenprojekt an ihrer Schule durchgeführt haben und welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt worden sind.

An welcher Schule sind Sie Lehrer?
Steinbeisschule Tuttlingen – Gewerbliche Schulen.

Welche Fächer unterrichten Sie?
Elektrotechnik, Technische Physik und Informationstechnik.

Wie sind Sie auf das Projekt aufmerksam geworden?
Ich bin seit 1981 Funkamateur und beobachte seit Jahren die Aktivitäten des Stratosphärenprojekts. Nun ist es an der Zeit gewesen gemeinsam mit meinen Schüler*innen das Abenteuer Stratosphäre zu wagen.

Wie haben Sie das Projekt in den Unterricht integriert? Waren noch andere Kurse involviert?
Für das Projekt gab es Sonderstunden im Stundenplan. Teilgenommen haben Schüler*innen aus dem 3. Lehrjahr der Elektroniker für Automatisierungstechnik.

Wie viel Vorbereitungszeit haben Sie benötigt?
Mehr als ursprünglich geplant 😉. Dies ist vor allem auf unser technisches Missionsziel zurückzuführen, eine eigene Datenübertragungseinheit zu entwickeln. Am Schluss waren es eineinhalb Jahre. Geht natürlich auch deutlich schneller, aber wir haben uns dies als Ziel gesetzt.

Wie hat die Schulleitung auf Ihre Projektidee reagiert?
Positiv – es gab ja Sonderstunden dafür.

Welche Ziele haben Sie mit dem Stratosphärenflug verfolgt?
Begeisterung für Wissenschaft und Technik fördern. Und mit dem Blick von oben auch einen kleinen Hinweis geben, dass unsere Welt begrenzt ist und wir sorgsam damit umgehen sollten…

Hatten Sie Bedenken? Gab es Hürden oder Probleme?
Bedenken hatten wir keine. Schwierigkeiten: Da wir zuerst ein anderes Konzept mit der Datenübertragung auf dem 70cm-Band hatten, der Sender dort aber Probleme machte, sind wir dann auf 144MHZ, also das 2m-Band umgestiegen. (Auf der Frequenz wurden dann online alle 60 Sekunden die Daten übertragen (Höhe, Geschwindigkeit, Luftdruck, Temperatur, Bordspannung) und ins Amateurfunknetz eingespeist.) Das hat dann den Zeitplan deutlich verschoben, war aber eine gute Entscheidung.

Welches Equipment haben Sie für Ihr Datenübertragungssystem verwendet und wie haben Sie das Projekt finanziert?
Arduino mit Shields für die Sensoren, 2m-Band Sender (1W) zur Datenübertragung mit GPS-Anbindung, Action-Cam, Lithium-Batterien für die Bordspannungs-Versorgung. Der GPS-Tracker TK 102-2 war nur Backup, falls der Sender ausgefallen wäre. Am Boden hatten wir einen 2m-Band-Empfänger zur direkten Kontrolle. Weiterhin haben wir den Wetterballon, Fallschirm 2500, Spezialschnur sowie den GPS Tracker TK 102-2 von Stratoflights genutzt. Die Schule stellte uns die finanziellen Mittel in einem Sondertopf zur Verfügung.

Wie Aufwendig war die Beantragung der Aufstiegserlaubnis sowie der Versicherung?
War ok. Die Behörden waren sehr freundlich und haben uns problemlos einen zweiten Termin vorab genehmigt, den wir aber nicht brauchten, da das Wetter und unsere entwickelte Technik direkt beim ersten Starttermin passte. Glück gehabt. Die Luftfahrt-Halterhaftpflichtversicherung bei der Allianz war auch unkompliziert einzuholen, ebenso die Erlaubnis der BNetzA (wegen Nutzung des Rufzeichens der Schustation für den Ballon).

Haben Sie den Start des Wetterballons während der Schulzeit durchgeführt?
Ja und es waren ca. 200 Schüler aus verschiedenen Klassen dabei.

Wie verlief der Flug und die Bergung?
Der Flug verlief fast genau wie vorausberechnet. Die Schüler*innen haben das Projekt medial begleitet und eine kleine Projektseite aufgebaut.

Wie war das Feedback Ihrer Schüler*innen sowie das Feedback der Presse und des Kollegiums?
Begeisterung, Glückwünsche. Die Presse berichtete gleich zweimal.

Welche Erkenntnisse konnten Sie aus Ihren Experimenten ziehen?
Dass die Erde eine Kugel ist 😉. Dass Höhenströmungen ganz anders verlaufen als tropsphärische Winde und enormes Tempo haben. Dass in großen Höhen der Fallschirm erstmal kaum abbremst, da die Atmosphäre zu dünn ist. Dass es erstmal saukalt und dann wieder angenehm warm wird, wenn man diese Höhen durchsteigt. Und das Fichten hohe Bäume sind und dass es nützlich ist, wenn man ein Bergegerät vorbereitet hat 😉.

Hat Ihnen unser Tutorial weitergeholfen?
Unbedingt. Die Ratschläge zum Befüllen waren sehr hilfreich. Auch das Simulationstool für den Flug für die Vorausbestimmung der Flugbahn sowie das Equipment hat uns weitergeholfen.

Welche drei Ratschläge würden Sie interessierten Lehrkräften mitgeben?
Gruppengröße begrenzen.
Interessierte Schüler*innen auswählen.
Mehr Zeit einplanen, als man zunächst annimmt.

Können Sie sich vorstellen dieses Projekt als Highlight in den Schulkalender zu integrieren?
Eher nicht als regelmäßige Veranstaltung, da der Aufwand (durch unser technisches Missionsziel) und auch die finanziellen Aufwendungen doch nicht zu gering sind. Für die Zukunft kann ich mir das Projekt jedoch sehr gut wieder vorstellen.

Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie aus Sicht eines Lehrers gegenüber Stratoflights?
Da fällt mir momentan nichts ein. Das Rundumpaket mit Shop und Tutorials etc., die Ansprechbarkeit und Freundlichkeit passen. Weiter so 🙂.

Was fällt mir sonst noch ein?
Ich würde jeder Schule raten, sich mit dem Thema Amateurfunk zu befassen. Dort bietet sich eine riesige Spielwiese für technisch Interessierte an, auf der fast alles möglich ist. Auch Ballonflüge zu begleiten, z. B. die Funksignale des kleinen Senders waren in ganz Zentraleuropa zu hören, von Bosnien über Italien bis Frankreich, Niederlande, Polen, Ungarn … und das bei nur 1W Sendeleistung. Beim nächsten Prpjekt wäre denkbar, in geringerer Auflösung Live-Bilder zu senden.

Link zur Projektseite

Dirk Krause – Steinbeisschule Tuttlingen

Quelle der Bilder:
https://www.steinbeisenergie.de/abteilung-e-technik/stratosph%C3%A4renballon/