12
Aug

Stratosphärenflug vom Wacken Open Air

Es war der pure Wahnsinn. Von vorne bis hinten hat uns das größte Heavy Metal Festival der Welt überwältig. Über 100.000 Menschen strömten in das kleine Dorf Wacken und machten es erneut zu einem unvergesslichen Festival. Wir selber durften ein Teil davon sein.

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Um 6:00 haben wir direkt mit den Vorbereitungen begonnen. Unsere Mission war es, direkt vom Festivalgelände aus der Crowd heraus einen Wetterballon aufsteigen zu lassen. Als besonderes Highlight sollte das Livebild des Fluges übertragen werden und auf den riesigen Screens an der Hauptbühne dargestellt werden. Doch dafür bedarf es einiger Vorbereitungen.
Direkt auf der Hauptbühne konnten wir unsere Empfangsantenne aufstellen. Von hier aus haben wir einen freien Blick auf das Festivalgelände und damit auch beste Möglichkeiten für ein gutes Empfangssignal.

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Ganz anders sieht es hinter der Bühne aus. Neben der Lichttechnik, den Pyro- und Spezialeffekten und der gesamten PA-Anlage haben wir irgendwo auch noch Platz gefunden, um unser Videosignal zur Regie zu verlegen. Von hier aus konnte das Videosignal live auf den Bühnenscreens ausgespielt werden, als auch live für die Fernsehübertragung des Festivals genutzt werden.

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Gegen 14:00 war es soweit und die ersten Fans strömten auf das Gelände. Zigtausende Fans versammelten sich direkt vor der Bühne, um die ersten Bands zu sehen. Für uns hieß es nun weiter Vollgas zu geben. Um 16:20 sollten wir starten, zu niemand geringerem als dem Heavy-Metal Urgestein SAXON. Alles musste sitzen, das Timing musste perfekt sein, denn während des Festivals gab es keine Kommunikationsmöglichkeit zwischen der Band und uns.

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Zigtausende Fans erwarteten den Start des Stratosphärenballons. Aber der Druck und die Verantwortung spornten uns zur Höchstleistung an. Wir haben die Kameras eingeschaltet und die GPS Systeme für die Ortung aktiviert Nach einem letzten Technik-Check konnten wir die Sonde verschließen und den Ballon befüllen.

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Etwa 5000 Liter Helium haben wir in den Ballon gefüllt, um den nötigen Auftrieb zu erzeugen. Der Ballon hat einen Durchmesser von über zwei Metern und trägt unsere Kamerasonde bis auf 35.000 Meter Höhe.

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Die Zeit läuft, denn Saxon beginnt ihren vierten Song – zu Beginn des sechsten sollten wir starten. Und dann passiert etwas, das nicht passieren darf. Beim Wechsel der Heliumflasche gibt der Druckminderer den Geist auf. Schrott. Mist…

Das ist gut für die Nerven, setzt auch kaum unter Druck.

Zum Glück haben wir alle unsere Ausrüstungsgegenstände in mehrfacher Ausführung dabei, so dass solche Pannen dem Start nicht im Wege stehen. Nach einem schnellen Wechsel konnte es weitergehen. Er funktionierte, ein Glück. Pünktlich konnten wir unseren Wetterballon verschließen und startklar machen.

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Dann ist es soweit. Saxon kündigt unseren Ballon an. Die Menge dreht ihre Köpfe, alle Blicke sind auf uns gerichtet. Die Band beginnt ihren Song „The Eagle has landed“ und wie abgesprochen konnten wir den Ballon mit dem Einsatz des Gitarrenriffs starten. Ein geiler Moment! Der Ballon hebt ab und die Kamera fliegt dicht über die Crowd.

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Ein besonderes Highlight des Fluges: Durch einen Live-Sender konnten wir das Bild von zwei Kameras abwechselnd übertragen, sodass die Zuschauer den Aufstieg des Ballons hautnah miterleben konnten. Auf den riesigen Screens neben der Hauptbühne wurden abwechselnd die Aufnahmen des Fluges gezeigt:

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Der Ballon hatte einen Blick über das gesamte Festivalgelände und zeigte die enormen Dimensionen dieses Festivals. Eine Drohne begleitete den Aufstieg und konnte eine weitere spannende Perspektive einfangen.

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Etwa 110 Minuten dauerte der Aufstieg des Ballons, bis er seine maximale Flughöhe von etwa 35km erreichte. Der Ballon platzte, sodass die Sonde an einem Fallschirm sicher zurück zur „Erde“ fliegen konnte. Leider, so mussten wir feststellen, war es eine astreine Wasserlandung.

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Der Ballon ist tatsächlich kurz vor der dänischen Insel Bagenkop gelandet. Auf diesen Fall waren wir vorbereitet und so haben wir extra Schwimmer an der Sonde angebracht und die Technik wasserdicht verpackt. Deshalb konnten wir auch zum Glück ein GPS Signal bekommen. Doch trennte uns die Ostsee davon. Wir mussten die Technik bergen, aber wie?

Mit unserem „Spezialauftrag“ für die Wasserbergung haben wir ganz Google durchsucht, doch sind wir schnell fündig geworden. „Laboe Yachtcharter“ konnte uns helfen. Gemeinsam mit einem Skipper konnten wir uns auf die abenteuerliche Bergung der Sonde machen. 50km Ostsee-Durchquerung bei einem Wellengang von stellenweise zwei bis drei Metern. Das muss man nicht jeden Tag haben, war in diesem Moment aber die einzige Lösung. Wir mussten die Sonde bergen, mit allen Mitteln.

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Was wie ein romantischer Sonnenuntergang aussieht, konnte uns nur einen kurzen Moment erfreuen. Es sah wunderschön aus, keine Frage, bis uns bewusst wurde, was das eigentlich zu bedeuten hat. Nach einem Sonnenuntergang ist es gewöhnlich dunkel. Wir hatten das Meer aber erst zur Hälfte durchquert. Weitere 25km lagen noch vor uns. Wir gaben Vollgas.

Aufgrund der Strömung und des starken Windes (Windstärke 5-6!) wurde unsere Sonde stark abgetrieben. Ständig mussten wir unseren Kurs korrigieren und die aktuellen Koordinaten verwenden, doch dann war es soweit.

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Hier treibt sie, unsere Kamerasonde, irgendwo vor Dänemark. Wir hatten es tatsächlich geschafft. Die Sonde ist wieder in unseren Händen. Ohne großes Tamtam kehrten wir sofort um und steuerten unseren Heimathafen in Laboe an. Es dauerte weitere drei Stunden, bis wir ihn schließlich erreichen konnten. Die Bergungsaktion hatte viel Kraft gekostet, denn wir waren von 20:20 bis 0:40 auf hoher See unterwegs mit nicht mehr als einem etwas größeren Schlauchboot und einem 200PS Außenborder.

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Stolz, ausgekühlt, zufrieden und nass gingen wir ins nächstbeste Hotel und werteten direkt das Material aus. Es war phänomenal.

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Ein 3D-Schriftzug des größten Heavy Metal Festivals der Welt, hoch über unserer Erde auf 35.000 Metern, es war großartig. Die unzähligen Metal-Fans, das Live-Konzert von Saxon, der Start aus der Crowd, der Livescreen auf der Bühne und die abenteuerliche Bergung machen Wacken 2016 für uns zu einem absoluten Highlight.

Die Aufnahmen des Stratosphärenballons bilden auch gleich einen wichtigen Teil des neuen Festival-Trailers. Wacken 2017 – wir sehen uns!

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